AllgemeinPressemitteilung

Warteschlangen um eines der Baumwoll-Halstücher zu ergattern, die das Land teuer gekauft hat, während in den Spitälern mittlerweile auch das Nötigste fehlt

Bei vielen hat die letzte Aktion des Sanitätsbetriebes für Kopfschütteln gesorgt. Doch nicht genug damit: laut dem Online-Portal salto.bz verbirgt sich dahinter auch eine politisch-unternehmerische Verflechtung. Das Team K hat sofort eine Anfrage eingereicht, um Licht in diese Angelegenheit zu bringen. 

300.000 “Anti-Coronavirus”-Halstücher (sog. Schlauchtücher), für einen Einkaufspreis von scheinbar 700.000 Euro zu Lasten des Sanitätsbetriebes. All dies, um den Bürgern kostenlos ein Stück Baumwolle anzubieten, das irgendwie dazu dienen sollte, die Infektionsgefahr durch den Virus einzudämmen, obwohl allseits bekannt nicht mit der Wirksamkeit einer echten Atemschutzmaske. Wäre es nicht ausreichend gewesen, unseren Bürgern zu sagen sie sollen irgendein Baumwolltuch von zu Hause sich vor den Mund halten? Anstatt sie zu verleiten zu den Trafiken und Zeitungshändlern zu gehen und dort für das Baumwollstück anzustehen, anstatt so wie in den kontinuierlichen Durchsagen des Zivilschutzes gefordert wird, daheim zu bleiben und Menschenansammlungen zu vermeiden? Mit dem weiteren Risiko, dass jene die das Halstuch tragen, sich in der Folge fälschlicherweise in Sicherheit wähnen und deshalb zu weniger vorsichtigem Benehmen verleitet werden?

Außerdem wird die ganze Geschichte von weiteren pikanten Details bereichert: Thomas Widmann, Sanitätslandesrat, ist der Cousin der Gebrüder Widmann, den Eigentümern von TEXmarket, dem Unternehmen, das vom Südtiroler Sanitätsdienst mit der Lieferung der Schlauchtücher beauftragt wurde. Dazu hat das Team K bereits eine Anfrage eingereicht.

Dies alles, während in Südtirols Spitälern mittlerweile Atemschutzmasken und Schutzanzüge zur Neige gehen. In diesem schwierigen Moment für Südtirols Gesundheit, ist es trotzdem notwendig diese Geschichte nicht unkommentiert zu lassen. “Die Verwendung von Halstüchern und Masken ist vor allem für bereits Erkrankte sinnvoll, weniger hingegen zum Schutz der Gesunden“, sagt Franz Ploner, Landtagsabgeordneter und Mediziner, “ein Schlauchtuch schützt uns also nicht wirksam und stellt keinen absoluten Schutz dar, es könnte aber jene die es anziehen dazu verleiten sich sicher zu fühlen und deshalb weniger achtsam zu sein. Deshalb muss betont werden, dass andere Gesundheitsvorschriften (Sicherheitsabstände, Händewaschen, soziale Kontakte reduzieren usw.) nicht vernachlässigt werden dürfen. Zudem verlieren die Halstücher jede Wirksamkeit sobald die feucht werden, und sie müssen regelmäßig gewaschen werden”.

Die Verteilung von hunderttausenden dieser Gadgets über  Zeitungsgeschäfte und Trafiken ist ebenso sehr fragwürdig. Während alle öffentlichen Behörden seit Tagen wiederholen, wie wichtig es ist, zu Hause zu bleiben und nur aus dringend nötigen Gründen das Haus zu verlassen…. Luciano Giacomi, ein Zeitungshändler meint dazu: “Das Verschenken von Halstüchern hat dazu geführt, dass viele Menschen ihr Zuhause verlassen haben, um sich dieses Geschenk zu sichern, welches jedoch nur einen sehr begrenzten Schutz bietet. All dies ermutigt die Menschen, hinauszugehen, weil sie sich damit geschützt fühlen. Danke für den Gedanken, aber sowohl der Zeitpunkt als auch die Botschaft sind völlig falsch.

Paul Köllensperger, der eine Landtagsanfrage eingebracht hat um Klarheit in die ganze Geschichte zu bringen, sagt dazu: “Der Landtag ist zwar geschlossen, aber die Arbeiten gehen weiter, und die Opposition wacht weiterhin über die Arbeit der Landesregierung. Diese Angelegenheit, wenn sie sich in der Tat so darstellt wie von salto.bz beschrieben, wäre hochgradig peinlich, zumal in einer so schwierigen Zeit für alle Bürger Südtirols. Während in den Spitälern mittlerweile auch das Notwendigste knapp wird, verliert man hier Zeit und Geld für dubiose und wenig transparente Aktionen.”

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