10 Nachhaltig unterwegs

10. NACHHALTIG UNTERWEGS

Wir treten für die Stärkung der öffentlichen, intermodalen Mobilität in der Hand des Landes und der Gemeinden ein und setzen bevorzugt auf ökologisch nachhaltige Antriebstechnik. Wir fordern eine Rückbesinnung auf die Vorzüge der Nahversorgung im Gegenzug zu der derzeitigen Entwicklung hin zu immer mehr e-Commerce und Einkaufszentren: Mit dieser Umkehr geht eine Abnahme sowohl des Individual-Verkehrs als auch des Warentransportes einher.
Verkehrspolitik muss überregional gestaltet werden und sich an den Grundsätzen der Umweltfreundlichkeit, der Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene, der Stärkung des Öffentlichen Personen Nahverkehrs (ÖPNV) orientieren.
Um weiterhin ein lebenswertes Südtirol mit seiner landschaftlichen Schönheit und reinen Luft zu erhalten und das Grundrecht der Menschen auf Gesundheit und Lebensqualität zu wahren, muss die Verkehrsbelastung reduziert werden. Menschen und die Wirtschaft leiden unter Staus und Lärm.
Es bedarf eines radikalen Umdenkens weg von autolastiger Verkehrspolitik hin zu Bus, Bahn, Fahrrad und Seilbahn.

Durchdachter Raumordnungs-Politik fällt die Rolle zu, Arbeitsplätze nahe an Wohnorte zu legen. Das Potenzial der digitalen Amtswege soll ausgebaut werden. Bezirks-Außenstellen von Landesämter schaffen Vorteile für Unternehmen und tragen zu Verkehrsvermeidung bei. Die Politik muss unsere Naturparks vor Verkehr schützen. Um die Entlastung unserer Täler zu erreichen, sind dringende Maßnahmen für den Pässe-Tourismus unausweichlich, wie die Einführung einer Maut oder wo nötig auch zeitliche Einschränkungen.
Die Erreichbarkeit von besonderen touristischen Hot Spots muss unabhängig vom ÖPNV über lokal finanzierte, ökologisch sinnvolle Zubringer-Initiativen und unter Ausschluss des PKW-Verkehrs gewährleistet werden.
Südtirol soll auf weitgehend autofreien Tourismus setzen. Bereits heute sind einige Destinationen völlig ohne private Verkehrsmittel erreichbar. Ziel ist die autofreie touristische Erreichbarkeit aller relevanten Destinationen und die damit einhergehende Verkehrsentlastung für die Bevölkerung in unserem Land.

ÖFFENTLICHER PERSONENNAHVERKEHR

Ein effizienter ÖPNV kann nur im Mobilitätsmix von Bahn, Bus und Fahrrad funktionieren. Das Umsteigen von Privatverkehr auf ÖPNV muss attraktiv gestaltet werden und setzt Maßnahmen wie sichere Pendlerparkplätze, E-Bike-Stationen, Ausbau der urbanen und extraurbaneren Mobilitätsknotenpunkte und des interregionalen Personennahverkehrs voraus. Hohe Fahrten-Frequenz und ein Aufrechterhalten des Dienstes auch in den Tages-Randzonen sind Grundvoraussetzung für die Akzeptanz des Angebotes in der Bevölkerung.
Die Ausübung privater Mietwagendienste soll gestärkt und vereinfacht werden. Auf Euregio-Ebene sollte darauf hingearbeitet werden, dass die im Sinne der Benutzerfreundlichkeit die verschiedenen Tickets auch in den jeweiligen Nachbarländern gültig sind. Langfristig sollte über eine Umschichtung der Mittel für den Straßenbau hin zum Ausbau und Betrieb des ÖPNV nachgedacht werden.

PENDLERVERKEHR – BAHNVERKEHR

Um den Pendlerverkehr zu reduzieren, sollen Zug- und Tramverbindungen ausgebaut werden. Der zügige Bau der Riggertalschleife, die Verdoppelung und Begradigung der Strecke Meran-Bozen, die Elektrifizierung der Vinschgauer Bahn, eine Tramverbindung ins Überetsch sowie ein drittes Bahngeleis ins Unterland bis nach Salurn gehören dringend auf die Agenda einer zeitgemäßen Verkehrspolitik.
Der Anschluss nach Norden muss verbessert werden, Züge von Bozen nach Innsbruck sind durchzubinden. Gleichzeitig muss sich die Politik bereits heute mit großer Dringlichkeit, um die Errichtung der Zulaufstrecken zum Brennerbasis-Tunnels kümmern und dafür Sorge tragen, dass eine wirkungsvolle Verlagerung des Waren-Transitverkehrs auf die Schiene erfolgt.
Schüler-Transporte sollten von den jeweiligen Gemeinden einzeln oder im Verbund koordiniert werden.
Bei Organisation und Genehmigung öffentlicher Veranstaltung sollte die Erreichbarkeit mittels öffentlicher Verkehrsmittel bzw. über speziell organisierte Shuttle-Services ein vorrangiges Beurteilungs-Kriterium sein.

FAHRRAD

Fahrräder verleihen neue Mobilität. Dem Fahrrad soll mehr Raum gegeben werden. Das Fahrradwegenetz soll weiter ausgebaut, die Sicherheit für Radfahrer verbessert und das Angebot an Fahrrad-Stellflächen und Parkhäusern in den Mobilitäts-Zentren und urbanen Zentren dem Bedarf angepasst werden.

BUS

Busse im innerstädtischen Betrieb sollten auf umweltschonende Antriebe setzen. Die Energiewende muss auch im Personennahverkehr stattfinden. Wir kritisieren, dass das Land Südtirol – entgegen aller wissenschaftlicher Überzeugungen – weiterhin Diesel-Busse ankauft und damit ökologisch und gesundheitstechnisch im 20. Jahrhundert verharrt.
Buskapazitäten müssen auch in den Stoßzeiten, an den Tagesrändern und bei schlechtem Wetter ausreichend gewährleistet werden! Ressourcen müssen sinnvoll eingesetzt, Linienführungen in regelmäßigen Abständen durch Ämter und Bürger und Bürgerinnen überdacht werden.
Nightliner-Dienste sind auszubauen, um den Jungen die Möglichkeit zu geben sicher von öffentlichen Lokalen und Events nach Hause zu gelangen.

LKW- UND DURCHZUGSVERKEHR

Der interregionale Gütertransport muss auf die Schiene verlagert werden – das ist Konsens. Dazu müssen aber auch die logistischen Voraussetzungen geschaffen werden, in Form von Verladebahnhöfen in Verona und Südbayern, für Transporte über den Alpenkorridor. Damit ist auch klar, dass es einer gemeinsam, mit unseren Nachbarprovinzen koordinierten, Verkehrspolitik bedarf. Themen wie Blockabfertigung, Feiertags-Koordination, Maut und Diesel-Preisgestaltung müssen gemeinsam miteinander vereinbart und sodann konsequent und mit Entschlossenheit an Brüssel und die äußeren Nachbarn kommuniziert werden.

Der Vinschgau, das Eisacktal, das Wipptal und das Pustertal stehen im Spannungsfeld von internationalen Transitinteressen, die ihre Zukunft bedrohen. Feinstaub- und Stickoxidbelastungen sind eine ernstzunehmende Gesundheitsbedrohung dar. 30% des Lkw-Aufkommens auf der Brennerautobahn sind dem Umweg-Verkehr anderer Nord-Süd-Achsen zuzuordnen.

Die RoLa („rollende Landstraße“) bei der die Lastwagen auf Züge geladen und befördert werden sollte als Übergangslösung ausgebaut werden, mittelfristig aber sollte der Warentransit-Verkehr mehrheitlich über Container bewältigt werden.
Um zu gewährleisten die Gesundheit der Bürger Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen hat, gilt es in Rom mit Nachdruck die Verlängerung der A22 Konzession an eine öffentliche In-House-Gesellschaft im überwiegenden Besitz von Land und Region hinzuarbeiten. Eine direkte Entschädigung der Anrainer-Gemeinden durch die A22 könnte vorübergehend in Betracht gezogen werden.

 

FLUGHAFEN BOZEN

Die Erreichbarkeit Südtirols ist auch ohne Landes-Flughafen gewährleistet.
Derzeit besteht eine zu geringe direkte Anbindung mittels ÖPNV an die nahen internationalen Flughäfen in den Nachbarprovinzen. Mittels eines PPP-Projekt könnte ein landesweiter Flughafen-Shuttle den ÖPNV vervollständigen. Solche Flughafenshuttles sollten an sämtlichen Mobilitätsknotenpunkten entlang der Brennerachse Halt machen.

UMWELTBELASTUNG UND GESUNDHEIT

Es bedarf umfangreicher Maßnahmen im Bereich der Mobilität durch Stärkung des öffentlichen Verkehrs und bessere Förderung der Elektro-Mobilität. Die Raumplanung nimmt eine wichtige Rolle bei der Verkehrsvermeidung ein. Dazu gehört eine Verringerung der Zersiedelung und Zentralisierung von Strukturen. Wir verlangen transparente Kostenwahrheit unter Anrechnung aller wesentlichen Umweltfaktoren für sämtliche Verkehrsmittel, sei es den Individualverkehr wie auch den Warentransport.
Wir schlagen die gezielte Förderung von Unternehmen und neuen Geschäftsmodellen, die sich mit Nachhaltigkeit beschäftigen und zur Verringerung des Verkehrs-Aufkommens beitragen.

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