2 Miteinander leben in Gemeinschaft

FAMILIEN

Die Familien in ihren verschiedenen Formen sind ein Grundpfeiler der Gesellschaft. In allen politischen Entscheidungen sind uns daher die Familien ein zentrales Anliegen.
Als Grundprinzip gilt die Wahlfreiheit zwischen der Kinderbetreuung durch die Eltern zu Hause und durch Kinderbetreuungsplätze/Tagesmütter in den verschiedenen Strukturen. Öffentliche Kinderbetreuungsangebote sollen vorausschauend an den Bedarf angepasst werden. Bei der Zuweisung dieser Plätze soll eine Rangordnung erstellt werden, welche neben der Ansässigkeit der Eltern auch deren Berufstätigkeit berücksichtigt. Eine generelle Angleichung zwischen öffentlichen und privaten Kinderbetreuungsstrukturen ist anzustreben, insbesondere was den Personalschlüssel und den Kostenbeitrag des Landes anbelangt.
Für das Personal der privaten Strukturen ist ein landesweiter Kollektivvertrag einzufordern.
Familien, Kinderbetreuung und Beruf müssen besser vereinbar sein. Die Eltern mit Berufstätigkeit in der Privatwirtschaft sollen hinsichtlich des Elternurlaubs den Eltern im öffentlichen Dienst gleichgestellt werden. Es muss auch eine größere Beteiligung und Mitwirkung der Väter an der Erziehung der Kinder gefördert werden, z.B. durch die stärkere Förderung der Inanspruchnahme des Vaterschaftsurlaubs.
Die Vereinbarkeit von Beruf und Betreuung pflegebedürftiger Menschen innerhalb der Familie muss verbessert werden.
Die Maßnahmen zugunsten Alleinerziehender sind derzeit unzureichend – hier besteht vermehrter Handlungsbedarf.

Zusammenfassend setzen wir uns für folgende Maßnahmen ein:
– Um besonders den Frauen die Rückkehr in das Berufsleben zu erleichtern, braucht es ausreichende und zeitlich umfassende sowie flexible ganzjährige Betreuungsangebote sowohl in den Städten als auch im ländlichen Gebiet. Dafür ist der Ausbau von kinder- und familiengerechten Betreuungsangeboten notwendig, mit besonderem Augenmerk auf die Qualität der Angebote.
– Weitere Förderung oder Begünstigung von Betrieben, die ihren Mitarbeitern familienunterstützende Arbeitsmodelle ermöglichen.
– Grundsätzlich ist auf eine Annäherung der Elternzeit bei Privaten und bei der öffentlichen Verwaltung hinzuarbeiten.
– Dem sich ankündigenden Fachkräftemangel in Kitas, Kindergärten und Schulen entgegensteuern, indem die Berufsbilder unter den Aspekten der Entlohnung, der Ausbildung und der Arbeitszeit verbessert werden.

CHANCENGLEICHHEIT

Wir stehen für eine liberale Gesellschaft der Chancengleichheit und sehen es als Hauptaufgabe der Politik an, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass die Menschen in Eigenverantwortung ihr Leben gestalten können, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, Religion oder Geschlecht. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass Frauen für gleiche Arbeit denselben Lohn wie Männer und dieselben Aufstiegsmöglichkeiten bekommen. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie soll verbessert werden, allerdings dürfen solche Maßnahmen nicht einseitig den Verzicht von Frauen auf Berufstätigkeit mit sich bringen, mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Altersrente.

 

Chancengleichheit 2.0: Wir sind gegen Diskriminierung und für die Förderung einer Kultur des gegenseitigen Respekts, die  Unterschiede als Bereicherung  sieht. In diesem Sinne wollen wir:

– in Absprache mit den Verbänden LGBTQIA+ in Südtirol ein Landesgesetz vorschlagen, das sich gegen Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität wendet;

– dafür eintreten, dass nach der Stadt Bozen (2015) und der Provinz Trient (2017) auch das Land Südtirol dem Netzwerk RE.A.DY beitritt;

– für die Trennung von Kirche und Staat und gegen Mobbing, Diskriminierung und Gewalt eintreten sowie uns für emotionale Erziehung und Sexualunterricht in der Schule einsetzen;

– die Bereiche Kultur und Soziales stärken, auf dass Maßnahmen zur Förderung von Inklusion und gegenseitigem Respekt mehr Unterstützung erfahren.

JUGEND

Sicherheit: Jugendliche brauchen Sicherheit, gegenwärtige und zukünftige, unter anderem in Bezug auf Ausbildung, Studium, Arbeitsplatz, Lebensraum und Familiengründung. Wir nehmen die Bedürfnisse der jungen Generation ernst und orientieren uns an den im Wechsel begriffenen Anforderungen. Was unser Land braucht, sind die notwendigen Rahmenbedingungen für echte Perspektiven – finanzielle wie strukturelle. Schlagworte wie leistbares Wohnen, eine frühzeitige Rentenvorsorge oder Smart Working dürfen nicht als bloße Wahlkampf-Parolen verpuffen, sondern sie sind wichtige Gradmesser für künftige Lebensqualität.

Kultur & Bildung: Wir investieren in Kultur und Bildung, ob Schule, Universität, Ausbildungsplatz oder Freizeit. Wir unterstützen die Institutionen und Strukturen und fördern jede Art von Vernetzung. Für Hürden wie mangelnde Studienanerkennungen, fehlende Entwicklungsmöglichkeiten oder zu rigide rechtliche Fesseln müssen adäquate Lösungen gefunden werden.

Partizipation: Wir stehen für Meinungsfreiheit, Ideenaustausch und für einen offenen Dialog. Das gilt selbstverständlich auch für unser Verständnis von Jugend. Wir fördern Eigenverantwortung, Mitbestimmung und sprechen uns für die Einbindung von jungen Menschen in gesellschaftliche Entscheidungsprozesse aus. Dabei kommt auch der Stärkung des Ehrenamtes eine tragende Rolle zu. Wir wollen mündige, aufgeklärte und mitgestaltende Bürgerinnen und Bürger – frühzeitig damit anfangen, lautet unsere Devise.

Freiräume: Bei allem Druck in unserer leistungsorientierten Gesellschaft dürfen wir nicht vergessen, dass Jugendliche Freiräume benötigen. Zum Experimentieren, zum Erleben, zum Begegnen. Wir begleiten sie auf ihrem Weg zur Selbstfindung und – Verwirklichung, indem wir ihnen Raum und Platz für ihre Bedürfnisse lassen. Wir haben ein offenes Ohr für die Anliegen der jungen Menschen, wir schaffen die nötigen Ressourcen, um ihnen bei ihrem Gestaltungswillen und bei der Umsetzung ihrer Visionen bestmöglich zu helfen.

Werte: Jugendliche brauchen Vorbilder. Wir propagieren ein zukunftsorientiertes, offenes Weltbild. Dabei setzen wir auf regionale, überregionale und europäische Begegnung sowie interkulturellen Austausch zwischen den Jugendlichen aller Sprachgruppen in Südtirol und auf Solidarität, Integration und auf den Abbau von Vorurteilen. Unser oberstes Ziel ist es, die Entwicklung der Jugendlichen so zu fördern, dass sie ihre Persönlichkeiten unter Achtung der Würde des Menschen und der Umwelt frei entfalten können.

 

SENIOREN

Wir empfinden die ältere Generation als Gewinn, den man in das gesellschaftliche Gesamtgefüge einbindet. Dementsprechend sind Anreize für eine Pflege im Familienkreis vorzusehen, gerade beim Bau und bei der Vergabe von Sozialwohnungen sollte dies berücksichtigt werden.

Ältere Menschen haben eine große Lebenserfahrung. Wir wollen Konzepte erarbeiten, wie wir diese Erfahrung den jüngeren Menschen zugänglich machen können. Zum Beispiel über Arbeitsmodelle, bei denen sich junge Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Älteren wertvolle Erfahrung und gelebtes Wissen aneignen können: Das ist eine Bereicherung für die Wirtschaft und die Gesellschaft im Sinne der Aufwertung der erarbeiteten Kompetenzen.

Im Detail stehen wir für folgende Maßnahmen:
– Nachbarschaftshilfe. Maßnahmen gegen Vereinsamung. Monitoring der Alleinstehenden.
– Nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben sollen erworbene Fähigkeiten weiter genutzt werden. Erfahrene Fachleute können wertvolle Informationen liefern.
– Förderung von altersgerechten Wohnmodellen (Generationen übergreifendes Wohnen, betreutes Wohnen usw.)

 

ZUSAMMENLEBEN DER SPRACHGRUPPEN

Zusammenleben verlangt nicht unbedingt nach einer gemeinsamen Vergangenheit und auch in der Gegenwart kann es Reibungspunkte geben. Entscheidend ist die Perspektive einer gemeinsamen Zukunft. Heute geht es darum, den Weg zu wählen, den wir in Südtirol gehen wollen. Die Menschen, vor allem die jungen Menschen bei uns, starten von ganz unterschiedlichen Ausgangspunkten. Wir müssen diesen Unterschieden große Aufmerksamkeit schenken, um nicht zusätzliche Hindernisse aufzubauen. Es geht also vordergründig auch darum, die Menschen, die es verlangen, beim Erlernen der zweiten Landessprache so effizient wie möglich zu unterstützen. Das ist ein vorbereitender Schritt. Dann geht es darum, Anteil zu haben an dem, was den Einzelnen mit den anderen verbindet, wie groß oder klein der Anteil auch sein mag. Dieses Gefühl des „Teilens von Lebensformen“, das in beide Richtungen von der Muttersprache zur Kultur der Zweitsprache hinführt, muss als Samenkorn gepflanzt, dann gepflegt und gefördert werden. Uns scheint, dass es die Kultur ist, der hier eine entscheidende Mittlerfunktion zukommt.

Als erstes konkretes Ziel dieser Funktionalität des Zusammenlebens im Zeichen der Kultur brauchen wir umfassende Informationen über alle Veranstaltungen, in gleich welcher Sprache und dazu, vielleicht, kurze Einführungen (blurbs), die zum Mitmachen anregen.

Der Früherwerb einer zweiten und dritten Sprache kann für die Eltern zum Anlass werden, das Erlernen der Sprachen, die ihre Kinder lernen, selbst in Angriff zu nehmen. Der Schwerpunkt aller Bemühungen um eine Veränderung des Nebeneinander-Lebens der Sprachgruppen, das so viele beklagen, muss bei der Familie liegen. Und bei der Familie setzen wir unsere Initiativen an.

 

MENSCHEN MIT BEHINDERUNG

Die Menschen mit Behinderung sind Teil unserer Gesellschaft und dürfen nicht zurückgelassen werden. Die im Landesgesetz zur Teilhabe und Inklusion verabschiedeten Maßnahmen sollen so bald als möglich umgesetzt werden. In Bezug auf Wohnen möchten wir uns für eine Wahlfreiheit einsetzen, sodass ein Wechsel in eine Wohneinrichtung in einer anderen Bezirksgemeinschaft auch ohne Einverständnis der territorial zuständigen Bezirksgemeinschaft möglich gemacht wird. Die finanziellen Mittel für die pädagogische Frühforderung von Kindern mit Behinderung sollen aufgestockt werden, damit der Dienst quantitativ und qualitativ aufgewertet werden kann.

EHRENAMT

Das Ehrenamt ist eine der wichtigsten Grundlagen der Südtiroler Gesellschaft. Bei der ehrenamtlichen Tätigkeit in den unterschiedlichsten Vereinen stehen die Bürgerinnen und Bürger im Mittelpunkt, die sich aus Überzeugung, unentgeltlich und freiwillig für das Zusammenleben und soziale Aspekte in der Gemeinschaft einsetzen.
Die bürokratischen Hürden rund um Haftung, Verantwortung und Absicherung der Vereinsmitglieder sind in den letzten Jahren zu einem unerträglichen Aufwand geworden. Viele Personen engagieren sich nicht mehr in Vereinen, da aufgrund der vorher genannten Faktoren der Aufwand zu groß und die rechtliche Sicherheit zu schwach ist. Dazu kommt, dass die Beiträge für Vereine immer wieder gekürzt werden und somit die Vereinstätigkeit mühsamer und schwieriger wird.
Wir setzen uns aktiv für das Ehrenamt und die Vereinstätigkeit ein, um das Zusammenleben, die Lebensqualität und die Gemeinschaft in Südtirol zu fördern und zu unterstützen. Hierfür müssen die bürokratischen Hürden vermindert und die Vereine mit Beiträgen tatkräftiger unterstützt werden. Voraussetzung ist eine klare Trennung zwischen echtem Ehrenamt und wirtschaftlich tätigen Vereinen.
Hierzulande kann das Vereinsleben in allen Bereichen auch als mehrsprachlicher Begegnungsfaktor nach der Schule oder in der arbeitsfreien Zeit besser gefördert werden – durch gezielte Projekte und Veranstaltungen.

 

 TIERSCHUTZ

In Südtirol gibt es einen landestierärztlichen Dienst, welcher bei der Autonomen Provinz Bozen und einen betrieblichen tierärztlichen Dienst, welcher beim Sanitätsbetrieb angesiedelt ist. Dabei kann es zu Überschneidungen der Zuständigkeiten kommen und den Bürgern, aber auch den Vereine, wie beispielsweise den Tierschutzvereinen, fehlt ein klarer Bezugspunkt. Es gilt daher, klare und transparente Zuständigkeiten zu schaffen.

Die im Landesgesetz enthalten Maßnahmen zum Schutz der Tierwelt und zur Unterbindung des Streunens von Tieren sind einzuhalten. Wenn der betriebliche tierärztliche Dienst überfordert ist, sollen freiberufliche Tierärzte beauftragt werden und die Tierschutzorganisationen des Landes vermehrt miteinbezogen werden. Dafür sollen diese Vereine, welche ehrenamtlich geführt werden, höhere Beiträge erhalten, damit sie kostendeckend arbeiten können.

In der Provinz Bozen gibt es lediglich ein öffentliches Tierheim, welches es nicht schafft, allen Tieren, insbesondere Katzen, Unterschlupf zu gewähren. Dabei gilt es anzudenken, das bestehende Tierheim auszuweiten oder eine eigene Auffangstation für streunende Tiere zu errichten.

 

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