AllgemeinPressemitteilung

COVID-19 Exit-Strategie für Südtirol

Team K-Vorschläge für Aktionszeitraum Mai und Juni - Phase 2

Grundüberlegung

Bei Public Health Maßnahmen muss der Nutzen immer größer sein als der Schaden, der durch die Maßnahmen verursacht wird.  Auch die präventive Maßnahme des Shutdowns muss also insgesamt mehr gesundheitlichen Nutzen bringen als der dadurch verursachte Schaden. Obwohl eine Gesamtbilanz noch aussteht, ist der gesundheitliche, psychische, soziale und ökonomische Schaden in unserer Gesellschaft enorm, und wird noch lange nachwirken, u.a. indem er die soziale Ungleichheit vergrößert. Die Frage nach dem Nutzen eines fortdauernden Shutdowns muss somit gestellt werden – er müsste ebenfalls enorm sein, damit die Nutzen-Schadens-Bilanz akzeptabel ist. In Phase 1, während der exponentiellen Zunahme der Infektionen mit SARS-CoV2, war die präventive Maßnahme des Shutdowns durch die Versäumnisse bei der Rückverfolgung der Infektionsketten unausweichlich. Und sie hat ihr Ziel, eine Überlastung der Krankenversorgung zu verhindern, erreicht. Eine Beibehaltung der präventiven Maßnahmen steht nun, Ende April, angesichts der Abnahme der Fallzahlen und v.a. des Rückgangs der Personen in den Intensivmedizinischen Abteilungen nicht mehr in Relation zu dem damit erzielbaren Nutzen. Spätestens ab jetzt, in PHASE 2,  hätte die Regierung in Rom und hierzulande alles tun müssen, um mittels Gesundheitsfolgenabschätzungen den gesundheitlichen, psychischen, sozialen und ökonomischen Schaden, insbesondere in vulnerablen Gruppen, so gut wie möglich zu minimieren. Der Schaden der präventiven Maßnahme „Shutdown“ ist mittlerweile größer als der Nutzen. Er hat somit schnellstens beendet zu werden.

Der Unmut und die Intoleranz gegen den Lockdown nimmt in der Bevölkerung und den Gewerbetreibenden folgerichtig zu, da diese Maßnahmen nun nicht mehr im Verhältnis zu den Kollateralschäden, die die physischen, psychischen, sozialen und wirtschaftlichen Bereiche der Gesellschaft betreffen, stehen.

Was es nun braucht, sind Strategien, Verhaltensregel und Richtlinien, wie in der sog. PHASE 2, jener in seiner Dauer unbestimmte – auf jeden Fall längere – Zeitraum, unser gesellschaftliches und individuelles Leben in Koexistenz mit dem Covid-19 Virus neugestalten müssen.

Fachübergreifendes Expertenwissen, verbunden mit aus der Lebenspraxis gewonnenem bereichsübergreifenden Pragmatismus sind zu verknüpfen, um die Politik in die Lage zu versetzen, möglichst kluge und der Situation angemessene Entscheidungen treffen zu können. Dabei gilt es, unserer liberalen Einstellung gemäß, die Bevölkerung zu überzeugen, im Vertrauen, dass sinnvolle Maßnahmen mitgetragen und Regeln mit Hausverstand auch eingehalten werden. Konsens statt Zwang und Kontrolle. Schweden kann diesbezüglich durchaus als Vorbild gelten, für die hiesige Phase 2. 

Soviel Vorschriften wie nötig, soviel Freiheit zur Selbstgestaltung in Eigenverantwortung wie möglich.

Schließlich sind dringendst die vom TEAM K seit Wochen geforderten Testkapazitäten anzukaufen. Das konsequente Testen bei Verdacht auf Corona-Infektionen sowie die Kontaktverfolgung samt Quarantäne sind Voraussetzungen für den geregelten Übergang in die Normalität sowie die Kontrolle über erfolgende Neuinfektionen, die uns sicher noch längere Zeit begleiten werden. Die Unfähigkeit des Sanitätsbetriebes, diese Kapazitäten im Unterschied zu Nachbarländern bereitzustellen, stellt einen volkswirtschaftlichen Schaden dar, der nicht akzeptabel ist.

Zielsetzung

Sofortige Wiedereröffnung des sozialen und wirtschaftlichen Lebens, durch eine medizinische, nicht ausschließlich virologisch begründete evidenzbasierte Formulierung von Maßnahmen zur größtmöglichen Vermeidung des sprunghaften und vor allem gleichzeitigen Auftretens von Infektionsherden unter größtmöglicher Vermeidung nicht mehr nachzuvollziehender Infektionsketten.

Vision

Beides, die Mitverantwortung und die Eigenverantwortung, als Ressource der gesamten Bevölkerung nützen. Mündiges Bürgertum kommt auch in dieser Eigenständigkeit, auf der Grundlage von Gesetzen in dafür legitimierten demokratischen Gremien zum Wiedererwachen und darf nicht in Dauertiefschlaf versetzt werden durch Erlaubnis- und Verbotsdekrete von oben herab.

Eigenverantwortung schafft Vertrauen. Gängelung nimmt jede Sicherheit, dem Individuum und der Gesellschaft.

Wie soll das Hochfahren aussehen?

Prämisse: Weder Lockdown noch völlige Öffnung sind machbare Optionen.

Prävention – Art. 32 Verfassung (Schutz der Gesundheit)

Südtirol hat die Corona-Krise organisatorisch und gesundheitlich gut überstanden.

Die Virusreproduktionsrate (R0) ist unter 1 abgefallen, sodass der Einstieg in die zweite Phase der SARS-CoV-2 Pandemie unter hygienischen Präventionsmaßnahmen und sachgerechtem Monitoring gerechtfertigt erscheint, da die zu erwartenden Kollateralschäden für die allgemeine Gesundheit der Bevölkerung und die Wirtschaft wesentlich größer sein werden als das gesundheitliche Risiko durch die COVID 19 Erkrankung selbst. Das Südtiroler Gesundheitssystem kommt mit der jetzigen SARS-CoV-2 Infektionsrate unter der erreichten Reproduktionsrate ohne gesundheitliche Gefahren für die Gesellschaft zurecht.

Nun geht es darum, den Übergang in die zweite Phase der Pandemie ohne erneute Welle so zu gestalten, dass das bisher Erreichte nicht aufs Spiel gesetzt wird.

Aus diesem Grund sind für die unterschiedlichen wirtschaftlichen und sozialen Bereiche Konzepte des Infektionsschutzes unter Einbeziehung der Bevölkerung zu erarbeiten, um ein erneutes Aufflammen der SARS-CoV-2 Infektion zu verhindern. Alle Risikogruppen müssen getrennt geschützt werden. Durch ein konsequentes Testen der exponierten Personengruppen und besonderer Risikogruppen wie z.B. die Altenheime, Gefängnisinsassen, vulnerabler Personen u.a.m.  muss erreicht werden, frühzeitige Änderungen in der Infektionshäufigkeit an SARS-CoV-2 Infektionen rasch und systematisch zu erkennen und in Quarantäne zu setzen, damit eine Ausbreitung verhindert wird. Regelmäßiges Contact Tracing durch Anrufe und Dokumentation, um vorzeitige Veränderungen der Krankheitsverläufe, ist angezeigt.

Ganz entscheidend ist, Voraussetzung zu schaffen, Neuinfektionen schnell zu erkennen, die Erkrankten zu isolieren und die Kontaktpersonen-Nachverfolgung rasch, effizient und vollständig durchzuführen. Ziel ist es, das Infektionsrisiko in allen Einrichtungen und Arbeitsstätten gering zu halten, damit auch Menschen mit erhöhtem Risiko an der Phase 2 ohne Bedenken teilnehmen können und das Aufflammen einer zweiten Welle verhindert wird.

Folgende Maßnahmen sind besonders wichtig und sollten der Bevölkerung durch entsprechende Aufklärungskampagnen beigebracht werden:

  • Hygienemaßnahmen: konsequente Händehygiene, Einhalten der Husten- und Niesregeln, gründliche Raumreinigung und regelmäßige Raumlüftung, Oberflächendesinfektion
  • Einhalten des Abstandes: es gilt die gültige Maßgabe, einen Abstand von mindestens 1,5 Metern einzuhalten, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Gebäude. Die maximale Anzahl der Personen muss an die Größe der Räumlichkeiten angepasst sein und kann nicht a priori durch Vorgaben wie Quadratmeter zur Person geregelt werden. Überlegungen hinsichtlich der Personendichte sollen auch beim Transport (Schulbusse, ÖPNV) überlegt werden.
  • Mund-Nasen-Schutz: das Tragen des MNS kann dazu beitragen, Übertragungen an den Arbeitsstätten insbesondere prä- und asymptomatischer Infizierte zu reduzieren und die Risikogruppen vor Übertragungen zu schützen. Einschulungen in die Handhabung des MNS ist angezeigt.
  • Monitoring und Testen: Eine systematische Teststrategie muss landesweit geplant, vorbereitet und umgesetzt werden. Dabei geht es darum sowohl die Infektiosität als auch die Durchseuchung der Bevölkerung zu erfassen. Ausreichende Testangebote (Antigentest des SARS-CoV 2 und Antikörpertest gegen das Virus mit valider Methodik) muss vorhanden sein. Durch eine intensive Teststrategie gelingt es neue Infektionsherde frühzeitig zu erkennen und durch zeitgerechte Intervention die Infektionsketten zu unterbrechen. Von den Betrieben und Bildungsstätten soll eine sorgfältige Dokumentation erstellt werden, um krankheitsbedingte An- und Abwesenheiten nachverfolgen zu können. Messen der Körpertemperaturen bei Eintritt an den Arbeitsplatz ist angezeigt.
  • Klare Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten und gute und offene Kommunikation sind notwendig, um alle notwendigen Maßnahmen ohne Zeitverlust umsetzen zu können.
  • Unterrichtung zu Infektionsschutzmaßnahmen inklusive der korrekten Handhabung des Mund-Nasenschutzes muss gefordert werden (Hygienerichtlinien)

Kommt es trotz der beschriebenen Maßnahmen zu Krankheitsausbrüchen oder zu relevanten Zunahmen SARS-CoV-2 Infektionen, muss in Absprache mit den Sanitätsbehörden auch eine zeitweise Schließung von Einrichtungen und Betrieben möglich sein. Durch solche relativ einfachen hygienischen Maßnahmen kann bei geringsten gesundheitlichen Gefahren für die Bevölkerung der Übergang in die 2° Phase erfolgen.

Prinzipiell unterstützt das Team K einen Ansatz, der vorsieht dass Richtlinien erarbeitet werden, die von Bevölkerung und Wirtschaftstreibenden einzuhalten sind, aber der autonomen Gestaltung von Leben und Arbeit ansonsten freie Entfaltung lässt.

Richtschnur in der methodischen Herangehensweise ist der Schutz der individuellen Grundrechte, die ständig mit dem Schutz nach Unversehrtheit der Bevölkerung abzuwägen sind. Dies ist in diesem Stakkato der Erlasse immer neuer und immer verwirrender juristisch oft nicht ausgereifter Verordnungen sowohl auf Staats- wie auf Landesebene bisher zu kurz gekommen.

Unsere liberalen Leitlinien sind:

  • Vertrauen in die Menschen, nicht Überwachungsstaat.
  • Nicht alles im Detail regeln.
  • Klare Regeln, der Rest ist Verantwortungsbewusstsein.
  • Arbeiten ermöglichen, mit realistischen Sicherheitsmaßnahmen, ohne Schikanen.
  • Die totalitäre Handhabung muss beendet werden und darf auch nicht ansatzweise oder schleichend erhalten bleiben.
  • Angemessenheit der Maßnahmen, angesichts der realen Bedrohung durch SARS-CoV-2 verglichen mit anderen gesundheitlichen Bedrohungen.
  • Weder Lockdown noch völlige Öffnung sind machbare Optionen.

Phase 2 – Exit Plan jetzt

Vorderstes Ziel ist die unmittelbare Wiederherstellung des öffentlichen, sozialen und wirtschaftlichen Lebens und der geregelte Ausweg aus dem SARS-CoV-2-Lockdown. Dieser Ausweg ist Inhalt des vorliegenden Dokumentes. In der Folge, in einem getrennten Dokument in Zusammenhang mit dem noch zu schnürendem Konjunktur-Paket, werden dann Überlegungen angestellt werden, WIE die enormen zur Verfügung gestellten Mittel, auch ZUKUNFTSORIENTIERT eingesetzt werden können, mit dem Ziel innovative Investitionen zu tätigen und sozio-ökonomische Ungleichgewichte zu reduzieren, ohne einfach nur den häufig unzulänglichen Status quo vor der Krise wiederherzustellen. Wichtig ist aber, dass die unmittelbare Exit-Strategie bereits jetzt die Basis schafft für künftige Neuorientierung von Gesellschaft und Wirtschaft.

Dieses Dokument ist ein Diskussionsbeitrag. Deshalb enthält er auch Vorschläge und Lösungsansätze, bei denen Südtirol nicht die alleinige Zuständigkeit hat bzw. welche in Kontrast zu einigen Maßnahmen der DPCM aus Rom stehen. 

Die gegenwärtige ARS-CoV-2 Pandemie fordert unsere Gesellschaft in unverstellbarer Form heraus. Die zur Eindämmung der Infektionen ergriffenen Maßnahmen verlangen von der Bevölkerung große Opfer ab. Mit den einschränkenden Maßnahmen soll eine Abflachung der Infektionskurve erreicht werden, um eine Verdichtung von Krankheits- und Todesfällen mit einer möglichen Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden. Die Wirksamkeit der Maßnahmen lässt sich z.T. in den Kennziffern ablesen, aber wird sich in der Regel erst verzögert zeigen. Gleichsam haben diese Maßnahmen auch unmittelbare negative Auswirkungen auf die medizinische Betreuung anderer Erkrankungen als COVID-19 Patienten aber auch weitergehende soziale, psychologische, gesundheitliche und kulturelle Belange sowie auf das wirtschaftliche Fundament der Gesellschaft. All dies trifft neben den medizinischen Risikogruppen, die sozioökomisch schlecht gestellten Menschen, Menschen mit Behinderung, Alleinerziehende, Familien mit kleinen Kindern, bildungsferne Familien und ältere Menschen, Obdachlose, kranke und psychisch labile Personen.

Die Kosten der verlorengehenden Wertschöpfung in der Wirtschaft betragen bei einem einmonatigen Shutdowns zwischen 4,0 und 7,5 Prozent des BIP. Eine Verlängerung dieses Zustandes würde die Kosten überproportional steigen lassen. Eine funktionierende Wirtschaft ist jedoch Voraussetzung für ein funktionierendes Gesundheitssystem. Deshalb muss über eine Ausstiegsstrategie nachgedacht werden und Überlegungen, wie sie vollzogen werden kann, angestellt werden.

 

Infolge der Krise soll es auch zu einer Neubewertung von Rollen und Sektoren kommen:

  • Aufwertung Bildungssystem, auch in seiner sozialen Rolle, Ausbau der digitalen Infrastruktur
  • Gesundheitswesen: Es hat sich die Wichtigkeit eines öffentlichen, steuerfinanzierten Sanitätswesens einmal mehr erwiesen, da es neben Zugang und Spezialisierung auch Prävention garantiert. Es muss sich verstärkt um die humane Umsetzung der Krankenversorgung, der Digitalisierung, des ethischen Diskurs wie z.B. der Patientenverfügung, der palliativen Betreuung bemühen. Eine Lehre der Krise ist, dass es nicht nur darum geht, Leben zu retten, sondern auch um den guten Umgang mit dem Tod (Palliation und Hospiz).
  • Die Rolle der Frau, Wert und Würde der Kinder und der alten Menschen.
  • Umwelt und Mobilitätspolitik: die Städte ohne Verkehr; Fokus auf Radmobilität!
  • Digitalisierung: Telearbeit, Vereinfachung, Bürgerfreundlichkeit
  • Bürokratie: Eigenerklärung und Vertrauen statt Behördengänge und Kontrollstaat. Viele Erleichterungen die im Krisenmodus eingeführt worden sind sollen beibehalten werden.
  • Lebensqualität und Vereinbarkeit Beruf-Familie: in einer Demokratie sollte es Wahlmöglichkeit geben wer welche Rolle einnimmt, und in einem Welfare State sollte es Zeit geben damit die Menschen ihren Nächsten, ihren Vorlieben nachgehen können. Die Verlangsamung der Lebensweise, die uns Corona aufgezwungen hat, soll Anlass zu Überlegungen in diese Richtung sein.

Eine Erkenntnis wurde ebenso gewonnen: Es ist möglich auch rasch große Geldsummen zu mobilisieren, wenn es nötig ist. 

Oberstes Ziel

Minimierung des gesundheitlichen, psychischen, sozialen und ökonomischen Schadens durch die SARS-CoV-2 Pandemie und der damit verbundenen Maßnahmen

Operative Ziele

  • Möglichst geringe Anzahl an COVID-19 Sterbefällen;
  • Aufrechterhaltung einer funktionsfähigen Krankenversorgung und Pflegebetreuung. Ein niederschwelliger Zugang zu einer qualitativ hochstehenden, bedarfsgerechten und effizienten Gesundheitsversorgung für alle Menschen muss sichergestellt werden. Die COVID-19 Pandemie darf nicht die Zugänglichkeit für die Patienten zu den Krankenhäusern, den Fachärzten, den Hausärzten, den Therapeuten und den bildgebenden Verfahren verhindern. Eine Einschränkung bei Betreuung und Pflege der Bevölkerung muss verhindert werden;
  • Aufrechterhaltung einer funktionierenden Wirtschaft und eines Bildungssystems; Verhinderung einer Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit;
  • Möglichst geringe und befristete Einschränkung von Grundfreiheiten. Es muss mit einer schrittweisen Normalisierung des Alltagslebens begonnen werden bzw. die Entwicklung einer neuen, aufmerksam-solidarischen Alltagskultur, die die Risiken insbesondere für vulnerable Gruppen berücksichtigt.

Methode

Die Anzahl der Neuinfektionen wird auch unter der Exitstrategie weiterhin möglichst klein gehalten. Die Basisreproduktionsrate R0 wird durch entsprechende Vorkehrungen unter 1 gehalten. Diese Strategie auf Staats-, Regionen- und Bezirksebene hängt davon ab, wie hoch die Immunitätsrate in einer Region ist z.B. 1%, 2% oder 10 -20%. Deshalb ist eine Teststrategie zur Erfassung der Immunität der Bevölkerung (z.B. durch einen Antikörpertest auf Corona-CoV-2) in einer ausreichend großen repräsentativen Stichprobengröße angezeigt. Die vorhandenen Test-Kapazitäten müssen ausgeweitet werden.

Coronavirus -„The Hammer and the Dance“ R0 wird kontinuierlich unter 1 gehalten

 

Aktualisierung: Alle politischen Pläne für die stufenweise Wiederaufnahme der Tätigkeit/Produktion in den Unternehmen, aber auch in allen anderen Bereichen unserer Gesellschaft, müssen früh vorliegen und den betroffenen Akteuren, etwas Unternehmer und Bildungseinrichtungen, kommuniziert werden, um mit eigenen Vorkehrungen beginnen zu können.

Bis zum Start der Exit-Strategie zu schaffende Voraussetzungen

Der vom Team K seit Wochen geforderte Ausbau der Testkapazitäten ist Voraussetzung für den raschen Übergang in Phase 2 und deren Beibehaltung sowie das epidemiologische Monitoring. Der Verzug bei der Beschaffung von diesen Kapazitäten ist nicht länger hinzunehmen.

  • Massentests auf Großgeräte für RT-PCR- Corona-CoV-2 (Antigennachweis): es existieren am Markt mehrere Großgeräte der Firma Roche (Cobas 6800): vollständige Integration und komplette Prozessautomation der PCR-Diagnostik – ca.400 Tetsresultate in 8 Stunden; Cobas 8800: vollkommene Automation des gesamten Testprozesse (Probenbeladung bis zur Amplifikation und Auswertung der Nucleinsäure des Virus): ca.1000 Probenergebnisse in 8 Stunden) oder CFX 96 der Firma Biorad (es können mehrere Geräte parallel geschlossen werden – Durchlauf 400 Tests/8 Stunden). Derartige Tests wurden in Padova und Tirol bereits angekauft.
  • RT-PCR – Schnellteste für die peripheren Krankenhäuser und Arztpraxen:
  • Bosch Healthcare Solution: Vivalytic – Zeit 21/2 Std. Kartuschensystem – erfüllt alle Qualitätsstandards (WHO)- Kostenpunkt 23.000 Euro
  • Firma Abbott: Schnelltest in 10 min (“Rapid test per Covid 19 Mod. GCCOV-402a”). Der Test ist vom Gesundheitsministerium zugelassen und wird in mehreren Krankenhäusern Italiens verwendet
  • Qiagen – Biotech – Unternehmen aus Holland: Schnelltest auf Testkartuschen

Dauer: 1 Stunden (FDA und Bundesministerium für Medizinprodukte zugelassen)

  • Antikörpertestung auf Corona-CoV-2- IgM und IgG wird durch ELISA-Methoden durchgeführt
  • Eti-Max von der DiaSorin: ca. 3000 Testergebnisse im Tag
  • EUROIMMUN-Elisa I: mittlere und hohe Probenaufkommen (70 – 100 Test/Stunde)

Es gibt noch andere Geräte: der Firma Roche, Biopharm usw. Die Durchlaufmenge ist bei allen Geräten in der gleichen Größenordnung. Die Geräte sind offen und es können verschiedene Reagenzien. unterschiedlicher Hersteller verwendet werden.

Die Geräte können durch Leasing oder „commercio d’uso“ erworben werden. Die Geräte werden in der Regel also nicht gekauft, sondern durch den Kauf der Reagenzien oder der Anzahl der Teste amortisiert.

Fig. 1 Anhang 10 des DPCM DECRETO DEL PRESIDENTE DEL CONSIGLIO DEI MINISTRI 26 aprile 2020

1) Teststrategie

  • Entwicklung einer effektiven und intensivierten Teststrategie (PCR-Ag und AK-Testung), um neue Infektionsherde („cluster“) frühzeitig zu erkennen, Infektionsketten zu identifizieren („contact tracing“) durch Einführung von Bewegungs-App auf freiwilliger Basis, um Super-Spreader zu vermeiden, um Schlüsselberufe arbeitsfähig zu halten, um Hochrisikogruppen zu schützen und um R0 möglichst stark zu reduzieren (R0<1) und somit eine neuerliche Ausbreitung zu vermeiden.
  • Diese Teststrategie muss aus Landes- und Bezirksebene geplant und vorbereitet werden
  • Aufbau von Point-of-Care Teststrukturen (PCR+AK) in allen Krankenhäusern bzw. teilweise in Sprengelsitzen unter Einbeziehung von Basismedizinergemeinschaftspraxen
  • Einrichtung einer schnellen Test-Einsatztruppe bei regionalen Auffälligkeiten, die Testungen von repräsentativen Stichproben durchführt
  • Regelmäßige Durchführung von repräsentativen Stichproben auf Bezirksebene, um den Durchseuchungsgrad zu erfassen.
  • Konzept und Umsetzung einer Ak-Teststrategie zur Identifizierung von immunen Personen, mit dem Ziel den Gesundheits- und Sozialbereich, sowie die Wirtschaft mit diesen Schlüsselkräften zu stärken.
  • Testung (Ak und Ag-Testung) von systemrelevanten Personen (Lehrpersonal, Kleinkinderbetreuer, Kitapersonal, Ärzte und Pflegepersonal in Altenheimen und Krankenhäusern, Busfahrer, Sozialarbeiter, Arbeiter/Innen in engem Kundenkontakt usw.)
 

2) Epidemiologisches Monitoring

  • ist auch laut Anhang 10 des DPCM 26/4/2020 Voraussetzung für Phase 2
  • Präzises Monitoring des Infektions- und Erkrankungsgeschehens unter Schaffung von COVID-Ambulanzen in den allen Krankenhäusern
  • zusätzliches Monitoring des Erkrankungsgeschehens mittels Syndrom-Surveillance Apps
  • Präzises Monitoring des Erkrankungsgeschehens mittels Risikostratifizierung der positiv getesteten CORONA-CoV-2 Fälle (z.B. Alter, Geschlecht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, COPD, Hypertonie, Body-Mass-Index, Krebserkrankung, Raucherstatus, Einnahme von Immunsuppressive, Sozio-ökonomischer Status)
  • Präzises Monitoring der Belastung des stationären und intensivmedizinischen Bereichs aufgrund von COVID-19, wobei die Risikostratifizierung bei Abnahme des PCR-Tests als Frühwarnsystem dient
  • Präzises Monitoring der Gesamtsterblichkeit und Sterblichkeit (v.a über 65-Jährige) durch internationale Erhebungsinstrumente (Euregio – Projekt zur Erhebung der Sterblichkeit in den einzelnen Euregio-Regionen durch den Aufbau eines gemeinsamen Netzwerkes in der Euregio) – Ausarbeitung einheitlicher Therapieschemata für COVID 19in der Euregio unter der Führung der Infektions- und der Hygieneabteilungen.
  • Optimierung der stationären Versorgung durch ein regionales Referenzzentrum in der Euregio, das über das volle Spektrum intensivmedizinischer Versorgung verfügt und das in der übrigen medizinischen Versorgung von anderen Krankenhäusern entlastet wird (Spezielle Corona-Klinik).
  • Zusätzlich ist anzudenken, eine Kompetenzbündelung der virologischen, epidemiologischen und hygienischen Fachexpertise innerhalb der Euregio besonders mit Blick auf in Zukunft jede neue Grippesaison zu erwirken. Zum Vorteil sowohl bald wiederkehrender Gäste und der einheimischen Bevölkerung wäre zur flächendeckenden Vermeidung von Infektionsrisiken in Krankenhäusern oder in Arztpraxen (Hausarzt oder Facharzt z.B) an eine z.B. mobile von Dorf zu Dorf und Stadtbezirk zu Stadtbezirk wandernde Container-AdHoc-Struktur zu denken – zur Vorbeugung mittels Impfungen auch anderer Coronaviren, damit das Immunsystem bei evtl Auftreten von Covid-19 Erkrankungen, nicht weiter belastet wird. 

 

3) Schutz der Bevölkerung und Risikogruppen

  • Durch den weitreichenden Einsatz von Mund-Nasen-Schutzmasken kann die Verbreitung des Erregers nicht verhindert, aber wahrscheinlich eingedämmt werden. Auch wenn die Masken nicht virusdicht sind, können durch das Zurückhalten von Tröpfchen symptomatisch oder asymptomatisch infizierter Personen die Übertragung wahrscheinlich reduziert werden. Daher müssen die Produktion und die Verteilung der Masken massiv verstärkt werden. Der Gebrauch der Masken darf nicht zur Lockerung des eigenen Schutzverhaltens (z.B. Abstand, Händewaschen, Desinfektion, Hustenetikette) verleiten.
  • Es müssen vorrangig die Einrichtungen des Gesundheitswesens, Pflege- und Altenheime (Personal und Patienten) ausreichend mit Mund-Nasen-Schutz-Masken und Schutzkleidung ausgestattet werden, um die Risikogruppen zu schützen.
  • Zur schnellen Eskalation und Deeskalation der medizinischen Versorgung der Bevölkerung wäre es wichtig, wenn alle Krankenhäuser einen eigenen, den technischen Hygienebestimmungen ausgestatteten Trakt hätten, um den unterschiedlichen Infektionsanforderung durch COVID-19 Infektionen gerüstet zu sein
  • Aufstockung und Ausbildung von geschultem Personal, welche COVID-19 Patienten betreut
  • Vorbereitung von spezifischen ARDS-Rehaplätzen für ICU-Survivors, um die Krankenhäuser zu entlasten und diese Patienten gezielt professionell zu rehabilitieren

Exit-Strategie

a) zu verschärfende Maßnahmen

  • Besserer Schutz von Langzeitpflegeeinrichtung durch einheitliche Prozessbeschreibungen und Leitlinien für alle Langzeiteinrichtungen (durch das Sozialassessorat vorgegeben) inkl. Testung von MitarbeiterInnen und BewohnerInnen (Pflegegeld-Bezieherinnen zählen zu den Hochrisikogruppen. Sie haben ein 50 bis 80-fach erhöhtes Risiko zu versterben als unter 50-Jährige);
  • Höchste Standards in allen ärztlichen Ordinationen und anderen Gesundheits- und Sozialeinrichtungen in Bezug auf Infektionsschutz mittels optimierter Prozesse, Schutzausrüstung und Teststrategien (der erfolgreiche Schutz von Gesundheits- und Sozialberufen ist der Schlüssel zum Erfolg);
  • Ausbau der palliativen Versorgung, mobil und stationär;
  • Bessere Information und Schutz von vulnerablen und sozio-ökonomisch benachteiligten Gruppen (z.B. Arbeitslose, Migranten, Obdachlose, psychisch Kranke, Menschen mit Behinderung, Menschen mit Sprachproblemen, Arbeitslose u.v.m)
  • Verständliche und zielgruppenspezifische Kommunikation der Bedeutung von Händehygiene, Husten- und Niesregeln, Begrüßungsritualen und Abstandregeln
  • Regelmäßige Desinfektion von Oberflächen, die von vielen Menschen berührt werden z.B. Türklinken, Tastaturen, Schalter, Einkaufswagen, Getränkeautomaten u.a.m.
  • Kontaktlose Händedesinfektion inkl. Informationsplakate vor allen Geschäften, Betrieben und öffentlichen Gebäuden
  • Automatisierung von Türen im Eingangsbereich von Geschäften, Betrieben und öffentlichen Gebäuden
  • Unterstützung durch entsprechende Hilfsorganisationen beim Einkaufen, Medikamentenbeschaffung
  • Angebot für alleinstehende oder schwer zu versorgenden Hochrisikopersonen sie temporär und kostenfrei in speziell ausgestatteten Hotels unterzubringen.

b) Beizubehaltende Maßnahmen

  • Physische Distanzierung im öffentlichen Raum. Bestmöglicher Schutz der Hochrisikogruppen durch physische Distanzierung oder Anwendung entsprechender Schutzmaßnahmen.
  • Beibehaltung von Homeoffice, Teleworking, etc. wo möglich. Dies kann relativ einfach umgesetzt werden.
  • Verständliche und präzise Kommunikation von Krankenstandregel bei COVID-Erkrankungen. Eine höchstprofessionelle Kommunikation ist unverzichtbar.
  • Keine Großveranstaltungen im Freien oder in geschlossenen Räumen in den kommenden Monaten (Es bedarf einer Definition von Großveranstaltungen). Kann der Bevölkerung gut vermittelt werden.
  • Verständliche und präzise Kommunikation der geltenden Regeln zu Gruppengrößen im Freien oder in geschlossenen Räumen v.a. Anzahl der Personen, Abstand, Belüftung usw.
  • Bewegung im Freien für alle Bevölkerungsgruppen (Mindestabstand 1m) ist erlaubt.
  • Universitäten sollen Online-Lehre bis zum Sommer Prüfungen können vor Ort durchgeführt werden, wen nicht mehr als 4 Personen anwesend sind. Einhaltung der Distanzen.
  • Tragen von Masken (besser: Bedecken von Mund/Nase) soll in geschlossenen Räumen vorerst verpflichtend gelten.

c) Lockerungen – Reduzierung von Maßnahmen

Für die Reihenfolge der Lockerungen sind mehrere Risikofaktoren zu berücksichtigen. Dazu gehören die Zunahme enger Personenkontakte, die Zunahme von Personenströmen, die Zahl der betroffenen vulnerablen Personen oder die Möglichkeit Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Zudem muss der wirtschaftliche Nutzen der einzelnen Lockerungen bewertet werden.

Konkrete Maßnahmen für ausgewählte Bereiche

  • Arbeit und Wirtschaft
  • Tourismus und Gastronomie
  • Restaurants, Gaststätten, Bars, usw.
  • Öffentliches Leben
  • Mobilität
  • Schule
  • Kinderbetreuung
  • Kultur
 
 
 

Fazit

Schutz der Gesundheit und Vermindern der wirtschaftlichen Schäden nicht gegeneinander ausspielen!

Die Exitstrategie verfolgt mehrere Ziele gleichzeitig: es muss weiterhin in erster Priorität die Gesundheit der Bevölkerung geschützt werden, insbesondere der besonders gefährdeten Personen. Die Lockerungen werden durch Schutzkonzepte begleitet. Die wirtschaftlichen Schäden sind möglichst gering zu halten so wie die Einschränkungen der Grundrechte.

Sofort aufzuheben ist jede Beschränkung, wo noch vorhanden, bei Einrichtungen, die nur eine geringe Anzahl direkter Kontakte aufweisen und solchen die Schutzkonzepte effizient umsetzen können und keine bedeutenden Personenströme verursachen.

Die Maßnahmen im stationären medizinischen Bereich können ab jetzt schrittweise gelockert werden, Spitäler sollen rasch wieder alle Eingriffe vornehmen. Ebenso sollen ambulante medizinische Praxen (samt Zahnmedizin, Physiotherapie und medizinische Massage) ihren normalen Betrieb wiederaufnehmen. Damit sollen negative Folgen verhindert werden, die durch einen Verzicht auf Behandlungen und Untersuchungen entstehen können. Das Recht auf Gesundheit muss nun auch den Nicht – Covid Patienten wieder zurückgegeben werden.

 

In den kommenden Monaten muss es Südtirol gelingen, ein Risikomanagement zu etablieren, damit die Infektionen COVID-19 möglichst rasch gegen Null absinken, um dadurch die Einschränkungen des Alltagslebens bei nahezu Null zu minimieren. Dazu braucht es aber vor allem eine ständig anzupassende transparente und der Bevölkerung verständlich kommunizierte Exit-Strategie für die nächsten Monate.

 

Jetzt gilt es auf der Basis der epidemiologischen Daten zu entscheiden, ab wann und in welchen Bezirken oder landesweit, unter welchen Voraussetzungen die Kindergärten und die Volksschulen wieder öffnen, Unternehmen die Produktion wieder hochfahren, Berufsgruppen wieder ohne, bzw. mit bestimmten, umsetzbaren Auflagen arbeiten gehen können, sowie soziale Begegnungen, Feiern, Freizeitaktivitäten, Theater- und Gasthausbesuche wieder möglich sind.

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